Montag, 19. Oktober 2009

Adresse nicht gefunden.

Die häufigste Verleugnung im Internet-Alltag, gleich nach "Die Seite kann nicht angezeigt werden, weil Sie offline sind." Obwohl ich laut Status nicht offline bin.

Von Fußball und Wüste

Saudi-Arabien ist wohl jenes Land, in dem die Moderne um jeden Preis am stärksten wütet. Und in der krassesten Schieflage der Tradition steht.

Hightech-Beamer zeigen Videowall-Fußball auf dem Teppich im Zelt in der Wüste. Frauen müssen sich vollständig verhüllen und dürfen Behördengänge nur mit Erlaubnis eines männlichen Vormunds machen.

Skurril auch: Vor kurzem wurde die erste Universität eröffnet, an der Männer und Frauen studieren können. 85 Prozent der Studierenden stammen nicht aus Saudi-Arabien. Doch auch die niedrigsten Schichten kommen aus dem Ausland: In der traditionellen Landwirtschaft werden die niederen Dienste zum Großteil von Fremdarbeitern versehen. Sie stellen 30 Prozent der Bevölkerung.

Es gibt Dinge, die kann man nicht ernst nehmen. Aber eine gewisse Menge an Erdöl-Dollars verschafft einem doch rasch internationalen Respekt

Sonntag, 11. Oktober 2009

Jetzt erst recht nicht

Jörg Haider, der umstrittene Unheilige - und insbesondere sein umstrittener Unfalltod - ist heute in allen Zeitungen und in aller Munde. Ein Grund, sich an dieser Stelle nicht über das Phänomen Haider auszulassen. Auch nicht über die Haider-Bruderschaft BZÖ. Und auch nicht über Asylpolitik oder Ortstafeln.

Hier sei nur angemerkt: Während das BZÖ noch mit Ortstafelfragen nach Wählerzustimmung heischt, ist nicht nur das Interesse vieler Kärntner am Thema erkaltet, sondern haben es auch so konträre Figuren wie Heimatdienst-Chef Feldner und die Slowenenvertreter Marjan Sturm und Bernard Sadovnik geschafft, durch Vernunft zu einem Konsens zu gelangen. Eine Lösung besteht also parallel zu der heißen Luft, mit der das BZÖ daraus ein Problem macht.

Jemand sollte das Bündnis Zukunft Österreich darauf hinweisen, dass das 21. Jahrhundert angebrochen ist. Dass man nicht ewig von Themen und Charisma eines Verblichenen zehren kann. Und dass man mit Vernunft auch ganz gut Politik machen kann. Vielleicht sogar eine, die Kärnten voranbringt.

Sonntag, 6. September 2009

Die echte Welt

Jetzt, während ich für die Diplomprüfung lerne und gleichzeitig in der Arbeit beginne, Strukturen und Abläufe zu durchschauen, effektiv zu arbeiten, in der anderen Arbeit detailgenau arbeite und doch mir Strategien überlege - da wird mir wirklich deutlich, wie weit entfernt die Arbeitswelt von der Universitätswelt ist.

Immer mehr habe ich an der Uni das Gefühl, man könne sich aus der Affäre ziehen, indem man schwafelt und notfalls sich von der Empirie, der Realität, dem Kontakt mit Praktikern entfernt. Man kann dort auf diese Weise überleben und wird womöglich noch für klug und erfolgreich erklärt.

In der Arbeit gilt es selbst zu denken, und zwar nicht Theorien weiterzudenken, sondern möglichst praktisch zu sein, rasch einzusteigen und Verantwortung zu übernehmen: für die Menschen, die man betreut, für die Firma, zu der man gehört, damit auch für sich selbst. Wo bleibt an der Uni die Verantwortung? Man kann sie, scheints, vermeiden.

Verlangt das nicht nach einer dringenden Änderung?

Sonntag, 2. August 2009

Beschleunigung

Ich lese einen Artikel über Zeitsoziologie, über die Wahrnehmung von Zeit in verschiedenen Epochen und über Be- und Entschleunigung*.

Ich lese, dass die Beschleunigung des Arbeitslebens sich auch auf dessen Struktur auswirkt: dass Phänomene wie Mehrfachausbildung, Teilzeitarbeit, Freelancing und "multiple Karrieren" Erscheinungen dieser Beschleunigung sind. Mir kommt das vor wie eine Art Kaleidoskopwahrnehmung von Zeit: einem (Arbeits-)Leben wird nicht mehr zugestanden, linear zu sein. Statt dessen lebt man sternförmig in mehrere Richtungen oder arbeitet sich parallel nach vorn. Das Schlagwort, das ich dazu finde, heißt "Patchworkkarriere".

So wie ich das sehe, sind wir ÜbersetzerInnen, LektorInnen und alle anderen "neuen Selbstständigen" die klassischen Patchwork-Karrieristen. Wir nähen an unserem bunten Leben.

Ich bin gespannt auf das Muster.





*) Wie schön, dass es sich mit Vor- und Nachsilben im Deutschen so schön basteln lässt.

Mittwoch, 15. Juli 2009

In den armen Regionen im Nordosten Brasiliens legen Mütter, wenn die Kinder abends vor Hunger weinen, Steine in die Pfanne auf dem Herd und sagen, dass es gleich etwas zu essen gibt. Sie hoffen, dass die Kinder inzwischen einschlafen.

Es gäbe auf der Welt für 12 Milliarden Menschen zu essen. Wenn wir in der Lage sind, so viel zu produzieren, warum sind wir dann nicht in der Lage, es besser zu verteilen?

Übrigens: "We feed the world" ist ein sehenswerter Film, und ich besitze jetzt ein Stück mittelamerikanischen Regenwald.

Samstag, 11. Juli 2009

Aphorismus des Tages

Ich mache hundert halbe Sachen. Mathematisch gesehen sind das fünfzig ganze, was ja schon viel wäre. Aber im wirklichen Leben kann man nicht kürzen, und so bleiben die hundert halben Sachen die Hälften, die sie sind.

Sonntag, 21. Juni 2009

BioTopos

Alt-Achtundsechziger-artige Anwandlungen? Vorsichtiger Versuch verantwortlichen Fortschritts? Landflucht der Städter, harmonische Neufassung schrebergärtnerischer Tradition?

Vielleicht hat all das mehr Nachteile, als es auf den ersten Blick aussieht. Aber ein Stückchen biologischen Gartens am Rande von Wien neben verschiedensten andern, die das auch so wollen - für den Eigengebrauch nebst Export auf Wunsch - Biomacht Österreich - das klingt doch nicht schlecht.

http://www.derstandard.at/Panorama > Umwelt > Going Green

Samstag, 6. Juni 2009

5.6.2009: Die Nacht der gemischen Kunst

Es lud ein die junge literaturwerkstatt wien.


Und sie fanden sich ein, um zu lesen, zu performen, Kurzfilm zu spielen und Objekte und Fotografien zur Schau zu stellen. Und siehe da, sie kamen, um zu hören und zu sehen: der Saal im Literaturhaus war voll, die technischen Pannen natürlicher Teil der Performance, die Stimmung doch gut und hinterher: das Buffet bald leer... Kurz gesagt: ein schöner Abend.
Danke denen, die bei der Verwirklichung geholfen haben, und danke denen, die da waren!

Mittwoch, 3. Juni 2009

Werbekosten?

Dieser Tage erreicht uns wieder häufig ungebetene Wahlwerbung aus allen Wellenlängen des Parteienspektrums. Und sie beschränkt sich nicht auf engagierte Freiwillige, die Kugelschreiber austeilen, oder Spitzenkandidaten, die Samstags vor den Einkaufszentren Reden schwingen: sie flattert einem auch in den Briefkasten, Mehrfarbdruck auf Hochglanzpapier oder sogar kuvertiert.

Da fragt sich die scharfe Beobachterin: Wozu? Woher?
Woher nehmen die Parteien das Geld für farbbedruckte Werbeschriften und kuvertierte Briefsendungen, während sie andererseits ständig lamentieren, dass selbst für die wichtigen Themen Europas das Geld fehlt?
Da steigen die Arbeitslosenraten, Unternehmen schrumpfen gesund, bis sie kaum noch vorhanden sind, die Umwelt bedarf unserer Aufmerksamkeit und Flugzeuge stürzen ab - und indessen wird kurz vor der Wahl auf sekundäre Themen abgelenkt, wird im Fernsehen über Glühbirnen diskutiert und über die politische Konkurrenz hergezogen, und Parteien haben nichts Besseres zu tun, als das verbliebene Geld für den Wahlkampf einzusetzen.

Glauben die im Ernst, ich wähle eine Partei, weil ich vier Tage vor der Wahl ein Brieflein von ihr bekomme? Oder weil ich frühmorgens ein buntes Zettelchen mit schlechten Reimen in die Hand gedrückt kriege?
Ich wundere mich, dass sich teure Werbung offenbar ausreichend amortisiert - so, dass weiterhin Ressourcen wie Zeit und Geld nicht in konstruktive Maßnahmen, sondern in inhaltslose Selbstdarstellung investiert werden.

Etwas muss sich ändern, aber schnell.