Sonntag, 28. März 2010

Die Grenzen des Terrorismus

Tierschützer Martin Balluch wird vorgeworfen, als Vorsitzender des Vereins gegen Tierfabriken für kriminelle Handlungen verantwortlich zu sein, die offenbar am Rande der Tätigkeit seines Vereins passiert sind.

Ich unterstütze keineswegs Kriminalität, auch nicht Nötigung und Sachbeschädigung.
Ich unterstütze es aber, dass man für eine Sache kämpft, die einem am Herzen liegt. Mit friedlichen Mitteln.

Dazu gehört auch, was Balluch getan hat: durch Medien (Bücher, Filmaufnahmen) auf bestehende Tatsachen hinzuweisen. Eigentlich ein ganz normaler - sogar defensiver - journalistischer Kniff. Zeigen, um aufzuzeigen. (Nichts anderes tue ich hier.)

Ich kann nicht beweisen, wie es wirklich war. Zwar: Martin Balluch argumentiert sachlich, durchdacht und unpolemisch. Andererseits: Mag sein, dass Mitglieder seines Vereins oder Trittbrettfahrer da andere Kampagnemethoden angewandt haben. Nachvollziehbar, dass er als Obmann für die Tätigkeit seines Vereins geradestehen muss.

Jedoch: Der Auftritt der Cobra und die Terrorismusvorwürfe sind absurd, zumindest unverhältnismäßig. Die "Schaffung einer Atmosphäre" eine viel zu indirekte Schuld.

Oder, polemisch gesagt: Wollt ihr die Journalistenzunft einsperren, weil sie mit ihrem Handwerk das Potenzial zum Terrorismus in sich tragen?

Donnerstag, 4. März 2010

Rechte für die Urheber

Im November habe ich hier einmal diskutiert, was Google's Veröffentlichung publizierter Bücher und Buchauszüge bedeuten würde. Ich bin der Gesamtentwicklung kritisch, aber nicht zu 100% ablehnend gegenübergestanden.

Eine ganz andere Sache ist es, wenn Verlage nicht mehr lieferbare, übersetzte Publikationen unter Fantasienamen neu veröffentlichen - so als hätte es einen Übersetzer gegeben, den es aber nicht gab. Die brasilianische Übersetzerin Denise Bottmann hat dieses (eindeutige) Unrecht aufgezeigt - und wurde dafür angezeigt.

Das Unterstützungsmanifest zum Unterschreiben gibt es auf

http://apoiodenise.wordpress.com

und die Online-Petition auf

http://www.petitiononline.com/Bottmann/petition.html

Samstag, 27. Februar 2010

Lasst sie doch schlafen, mit wem sie wollen.

Nur um es für mich selber klarzustellen:

Das, worüber eh alle diskutieren, darüber brauche ich nicht zu schreiben. Da werden ohnehin fast nur Extrempositionen eingenommen. Vereinzelt ist es auch kaum anders möglich (und womöglich sogar die Absicht der InitiatorInnen, zu polarisieren). Ich will mich hier keiner Extremposition anschließen (müssen). Daher keine Kommentare über Axolotl Roadkill, den Swingerclub in der Secession oder den IPad.

Ich will darüber diskutieren und darauf aufmerksam werden (und machen), was nicht ins Auge springt und nicht von der Titelseite schreit. Stille Bücher, absurder Alltag, schleichende Entwicklungen. Minderheitenprogramm.

Sonntag, 21. Februar 2010

In memoriam Johanna Dohnal

Während Österreich noch immer um die grundsätzliche Einführung einer eingetragenen Partnerschaft abseits der Ehe hadert, erschallen Nachrufe auf eine Frau, die - wenn auch streitbar und umstritten - so manchen Vorstoß in Sachen Frauenpolitik gewagt hat.

Sie mag über viele "drübergefahren sein" - doch ohne Nachdruck meist kein Fortschritt.

Und nicht zu vergessen: Frauenpolitik heißt nicht nur Frauen weg vom Herd, heißt auch: Gleichberechtigung. Gleichberechtigung heißt nicht nur mehr für Frauen. Sie heißt auch: weiteres für Männer.

Frau Dohnal hat zum Beispiel den Grundstein dafür gelegt, dass Männer in Karenz gehen können.

Freitag, 19. Februar 2010

Erkenntnis des Tages

"Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung" ist mit 36 Zeichen das längste Wort im Duden.
Nahrungsmittelunverträglichkeit (und ich weiß noch immer nicht, ob ich eine habe) liegt auf dem neunten Platz.

Ach ja, und: die Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaft gibt es offenbar wirklich, jedenfalls ist sie dudenwürdig und liegt auf Platz 2.

Wieder was gelernt.

Donnerstag, 18. Februar 2010

Von Bischöfen und Kindern. Ein gefährlicher Mix(a)

Ein Bischof, der die 68er für Sünden und Abnormitäten auf der Welt verantwortlich macht. Die Kirche ist brav, die Gesellschaft ist schuld. Ein leidiges Thema.

Was in der Kirche an Abnormitäten passiert, wird indessen totgeschwiegen. Dass Lebensregeln wie der Zölibat unnatürlich sind und überfordern können, dass offenbar sie es oft sind, die "Abnormitäten " auslösen - Abnormitäten nämlich, die anderen schaden - wird nicht in Betracht gezogen.

Ich brauche nicht zu erwähnen, dass ein breites gesellschaftliches Phänomen - wie es die sexuelle Revolution nach 68 zweifellos war - auch breite gesellschaftliche Veränderungen zur Folge hat. Die manchmal, gerade weil sie so breit sind, unbemerkt bleiben oder unterschätzt werden. Dass solche Phänomene kritische Betrachtung verdienen, ist unbestritten.

Ebenso wenig ist es neu, dass die meisten Kirchenvertreter sowohl der gemäßigten wie auch der medienmäßig vermarkteten Sexualität ablehnend gegenüberstehen (müssen). Und es ist auch nicht neu, dass in ihren Reihen so mancher Missbrauchsfall geschieht.

Leider. Auch hier sollte nicht generalisiert werden (müssen)...

Ich kenne Menschen, die der Kirche etwas abgewinnen können und trotzdem ein sehr offenes und freizügiges Leben führen. Zu Recht, denn sie tun niemandem etwas zu Leide.
Ich weiß auch, dass genug Unrecht und Misshandlung außerhalb der Kirche passiert, totgeschwiegen oder nicht.

Aber dieser Mix(a) aus Ablenkung vom Eigenen, tendenziösem Wettern und konservativer Simplifizierung ist nicht nur unsympathisch, sondern auch sehr gefährlich.

Donnerstag, 28. Januar 2010

Positive Schwingungen...

"Je nachdem, welche gedanklichen Schwingungen wir in uns kultivieren, wird uns ähnliches im Leben begegnen. Wir haen sozusagen unseren mentalen Empfänger auf diese Wellenlänge eingestellt und empfangen daher das entsprechende Programm. Zudem senden wir genau diese Schwingungen in die Welt aus und werden nach dem Resonanzprinzip später ähnliches empfangen. Insofern empfiehlt es sich, eher positive Emotionen und Gedanken zu pflegen, denn dann gehen wir in Resonanz mit den positiven Seiten des Lebens."
(J. Schön, Naturheilkunde, erscheint 2010)

Montag, 11. Januar 2010

Lizenz zum Probieren

"Was ich auf keinen Fall wollte, ist, mir mit irgendetwas eine Trademark zu schaffen", sagt Künstler Hubert Scheibl im Kurier-Bericht. "Der Prozess ist das Spannende. Man baut etwas auf, arbeitet an einem System - und dann zerstört man's."

Ich beginne, entwerfe, schreibe, bin oft genug von mir selbst nicht überzeugt, letztendlich häufig enttäuscht. Oft aber auch zu narzisstisch und faul, etwas, das schon existiert, völlig zu vernichten. Das Motto aber finde ich bedenkenswert: Wozu eigentlich braucht man eine Trademark, einen Stil oder ein Thema, das uns hundertprozentig definiert? Warum sich vollkommen einordnen lassen? Dann lieber: Oberster Grundsatz Veränderung. Lizenz zum Probieren.

Sonntag, 10. Januar 2010

In eigener Sache

Diesen Text habe ich in einer Kuriositätensammlung gefunden. Er spricht sehr dafür, auch in Zukunft menschliche ÜbersetzerInnen und keine Maschinen zu diesem Zweck einzusetzen.

"Herzlichst Gluckwuensch zu gemutlicher Weihnachtskerze Kauf.

Mit sensazionell Modell GWK9091 Sie bekommen nicht teutonische Gemutlichkeit fuer trautes Heim nur, auch Erfolg als moderner Mensch bei anderes Geschleckt nach Weihnachtsganz aufgegessen und laenger, weil Batterie viel Zeit gut lange.

Zu erreischen Gluckseligkeit unter finstrem Tann, ganz einfach Handbedienung von GWK 9091:
1. Auspack und freu.
2. Slippel A kaum abbiegen und verklappen in Gegenstiel B fuer Illumination von GWK9091.
3. Mit Klamer C in Sacco oder Jacke von Lebenspartner einfraesen und laecheln fuer Erfolh mit GWK9091.
4. Fuer eigens Weihnachtsfeierung GWK9091 setzen auf Tisch.
5. Fuer kaput Batterie mehr zu Gemutlichkeit beschweren an: wir, Bismarckstrasse 4. Fuer neue Batterie alt Batterie zurueck fuer Sauberwelt in deutscher Wald."

Samstag, 9. Januar 2010

Berufen?

Das "enorme Potenzial von Mehrsprachigkeit und interkultureller Kompetenz" wird doch nicht ausschließlich unterschätzt und verkannt. ÜbersetzerInnen und andere SprachdienstleisterInnen, die sich so oft (und meist zu Recht!) verkannt fühlen, erhalten hier ein paar Lorbeeren - und Beachtung. Immerhin:

http://derstandard.at/1262209110473/Uebersetzer-dringend-gesucht

Trotzdem, eine kleine Ergänzung aus der Innensicht: Übersetzen und Dolmetschen ist nicht dasselbe, Wirtschaft ist nicht der einzige Bereich, der Sprachmittlung braucht, nicht alle Sprachen haben eine gleich "rosige" Zukunft, und die meisten "Übersetzer" sind DolmetscherINNEN oder ÜbersetzerINNEN. Etwas männliche Verstärkung täte der Vielfalt aber sicher gut. Das Arbeitsfeld ist breit und facettenreich, aber deshalb umso spannender - und (auch) in Zukunft essenziell.