Montag, 23. November 2009

über urheber und ihre rechte

Seit Wochen schwelt der Streit um die Berechtigung für Google, Bücher oder lange Auszüge davon digital verfügbar zu machen. Autoren und Verlage protestieren und prozessieren und verweisen auf ihre Rechte als Urheber.

Man muss anerkennen: die Welt dreht sich weiter, und das ziemlich schnell. Gewisse Gewohnheiten, Regelungen, Veröffentlichungsprozeduren müssen sich dem wohl anpassen. Auch dass Urheberrechte, die Werke zum Teil jahrzehntelang unter Verschluss halten, im schnelllebigen Heute nicht mehr zeitgemäß sind, kann ich nachvollziehen. Wir wollen Zugang zu allem, und das sofort.
Das kann Nachteile haben - insbesondere für die, die die Urheber der Werke sind. Sie befürchten (wohl nicht zu Unrecht), dass sie leerer ausgehen, je unentgeltlicher der Zugang zu ihren Werken ist. Noch lauter schreien jene, die am meisten vom Erlös eines Werks abhängen: Verlag und Vertrieb.
Problematisch ist auch, dass die Initiative von riesigen Firmen kommt und damit sofort eine Machtfrage ist. In der globalisierten Welt sind immer die am schnellsten, die es sich leisten können. Und die bleiben dann allein an der Spitze.

Das Problem liegt also nicht in der Idee, insbesondere alte und/oder schwer zugängliche Werke zu digitalisieren. Das Problem liegt im konsumorientierten Hintergrund, in den Auswüchsen, die das Projekt annehmen könnte, in der Unkontrollierbarkeit. Leider steht hinter der demokratischen Idee ein kapitalistisches System.

Es müssten sich Unabhängige finden, die im Interesse, Werke zu erhalten, diese der Öffentlichkeit zugänglich machen. Möglichst kontrolliert und unentgeltlich. Leider gibt es so etwas wie Unabhängigkeit praktisch nicht, und leider werden die wenigen, die es vielleicht sind, sich den Aufwand nicht leisten können.

Fazit: Man muss wohl kritisch bleiben... und überlegen, ob man nicht mehr tun kann als das.

Montag, 9. November 2009

bedeutungsschwer, Folge 1

Religion kommt von religio und heißt wörtlich "(Zu)Rückbinden".
Religiosus/a heißt "fromm" oder "voller Bedenken".
Was will uns das sagen?

Sonntag, 8. November 2009

Blassoranger Fazit

In der Presselandschaft wird gemeldet: die Haider-Ausstellung im Klagenfurter Bergbaumuseum ist dürftig besucht.

Am 9. Oktober wurde die Schau eröffnet.
Teils sind Objekte, die angekündigt waren, noch gar nicht eingetroffen.
Eintritt und Setting wirken möglicherweise nicht auf sämtliche Kärntner attraktiv.
Verschwörungstheorien, Sonnenverklärungen und nachträgliches Lamentieren greifen vielleicht nicht mehr.

Schlimm genug, dass an der Unfallstelle ein Marterl steht (man bedenke: ein religiöses Symbol der Verklärung für einen Politiker nach einem fragwürdigen Unfalltod) und stets mit Blumen geschmückt ist (man bedenke: Bewunderung und Liebe nicht für Verdienste im Leben, sondern für tödliche Verantwortungslosigkeit). Schlimm genug, dass eine Brücke nach ihm benannt ist und ein eingeschränkt intellektueller Landeshauptmann hauptsächlich davon lebt, der Nachfolger in Geist und Amt zu sein.

Und schlimm genug, dass uns Monsieur Haider im Leben alle seine Programme vom Schulstart bis zur Wörtherseebühne in Form von Ermäßigungen, Gratiseintritt und Förderungen nachwerfen wollte, damit wir sie nehmen. Damit er gut da steht, während die Wirtschaft siecht.

Ein Hoffnungsschimmer für die Kärntner Seele, dass wenigstens dem Kasperltheater im Nazistollen nicht die Türe eingerannt wird.

Freitag, 6. November 2009

Zukunftsaussichten...

Gepriesen seien Technik und Fortschritt!
Bald wird man nicht mehr Übersetzerinnen und Dolmetscherinnen anstellen müssen, die mehr als einmalige Anschaffungskosten bedeuten und noch dazu fehleranfällig sind (immerhin sind sie Menschen). Denn nun gibt es das ultimative Gerät für derlei Aufgaben!

Japaner entwickelten dolmetschende Brille

Japanische Forscher haben eine Brille entwickelt, die Sprachbarrieren überwinden und Dolmetscher ersetzen soll. Der vom Hightech-Unternehmen NEC entwickelte "Tele Scouter" sieht aus wie eine normale Brille, hat aber keine Linsen. Stattdessen wird mit einem angebauten Gerät Schrift direkt auf die Netzhaut des Benutzers projiziert.
Der Text wird durch ein Spracherkennungs- und Übersetzungsprogramm bereitgestellt. Damit liefert die Dolmetscherbrille während eines Gesprächs zwischen zwei Trägern quasi Untertitel. Das gesprochene Wort wird von dem Gerät per Mikrofon aufgenommen, übersetzt und ist sofort als Text im Auge des Gegenübers sowie per Kopfhörer zu empfangen.
Das Gerät könne nicht nur für eine flüssige Unterhaltung zwischen Menschen mit verschiedenen Muttersprachen sorgen, sagte Takayuki Omino von NEC heute bei der Vorstellung der Erfindung in Tokio. Auch bei vertraulichen Unterredungen könne es wertvolle Dienste leisten, weil ein Dolmetscher dadurch überflüssig werde. NEC will das Gerät im November kommenden Jahres zunächst in Japan auf den Markt bringen.
(ORF.at)

Ohne vorurteilen zu wollen: dass ein solches Gerät aus Japan kommt, erstaunt mich ehrlich gesagt wenig.

Samstag, 31. Oktober 2009

Zitat des Tages

Zitat aus: dem Bericht-Film der Jungen Verlagsmenschen 2009. Ausgesprochen von: einem Junior-Lektor, gültig für: uns alle Bücher-Macher, Lektoren, Übersetzerinnen, Schreibende, Laborierende an Texten, Kunst und dem, was wir für unser Glück halten:

"Es ist wahrscheinlich der beschissenste Traumjob, den es gibt - aber ein Traumjob."

Die Mischung macht's

Heute: ein - übrigens sehr informativer - Artikel im online-Standard über die Arbeit in der Pathologie, über den Tod, Körpersäfte, schwierige Entscheidungen und neue Methoden. Daneben: ein Bild von Blut. Darunter: die Werbeeinschaltung für ein All-you-can-eat-Buffett.

Kuriose Mischung.

Montag, 19. Oktober 2009

Adresse nicht gefunden.

Die häufigste Verleugnung im Internet-Alltag, gleich nach "Die Seite kann nicht angezeigt werden, weil Sie offline sind." Obwohl ich laut Status nicht offline bin.

Von Fußball und Wüste

Saudi-Arabien ist wohl jenes Land, in dem die Moderne um jeden Preis am stärksten wütet. Und in der krassesten Schieflage der Tradition steht.

Hightech-Beamer zeigen Videowall-Fußball auf dem Teppich im Zelt in der Wüste. Frauen müssen sich vollständig verhüllen und dürfen Behördengänge nur mit Erlaubnis eines männlichen Vormunds machen.

Skurril auch: Vor kurzem wurde die erste Universität eröffnet, an der Männer und Frauen studieren können. 85 Prozent der Studierenden stammen nicht aus Saudi-Arabien. Doch auch die niedrigsten Schichten kommen aus dem Ausland: In der traditionellen Landwirtschaft werden die niederen Dienste zum Großteil von Fremdarbeitern versehen. Sie stellen 30 Prozent der Bevölkerung.

Es gibt Dinge, die kann man nicht ernst nehmen. Aber eine gewisse Menge an Erdöl-Dollars verschafft einem doch rasch internationalen Respekt

Sonntag, 11. Oktober 2009

Jetzt erst recht nicht

Jörg Haider, der umstrittene Unheilige - und insbesondere sein umstrittener Unfalltod - ist heute in allen Zeitungen und in aller Munde. Ein Grund, sich an dieser Stelle nicht über das Phänomen Haider auszulassen. Auch nicht über die Haider-Bruderschaft BZÖ. Und auch nicht über Asylpolitik oder Ortstafeln.

Hier sei nur angemerkt: Während das BZÖ noch mit Ortstafelfragen nach Wählerzustimmung heischt, ist nicht nur das Interesse vieler Kärntner am Thema erkaltet, sondern haben es auch so konträre Figuren wie Heimatdienst-Chef Feldner und die Slowenenvertreter Marjan Sturm und Bernard Sadovnik geschafft, durch Vernunft zu einem Konsens zu gelangen. Eine Lösung besteht also parallel zu der heißen Luft, mit der das BZÖ daraus ein Problem macht.

Jemand sollte das Bündnis Zukunft Österreich darauf hinweisen, dass das 21. Jahrhundert angebrochen ist. Dass man nicht ewig von Themen und Charisma eines Verblichenen zehren kann. Und dass man mit Vernunft auch ganz gut Politik machen kann. Vielleicht sogar eine, die Kärnten voranbringt.

Sonntag, 6. September 2009

Die echte Welt

Jetzt, während ich für die Diplomprüfung lerne und gleichzeitig in der Arbeit beginne, Strukturen und Abläufe zu durchschauen, effektiv zu arbeiten, in der anderen Arbeit detailgenau arbeite und doch mir Strategien überlege - da wird mir wirklich deutlich, wie weit entfernt die Arbeitswelt von der Universitätswelt ist.

Immer mehr habe ich an der Uni das Gefühl, man könne sich aus der Affäre ziehen, indem man schwafelt und notfalls sich von der Empirie, der Realität, dem Kontakt mit Praktikern entfernt. Man kann dort auf diese Weise überleben und wird womöglich noch für klug und erfolgreich erklärt.

In der Arbeit gilt es selbst zu denken, und zwar nicht Theorien weiterzudenken, sondern möglichst praktisch zu sein, rasch einzusteigen und Verantwortung zu übernehmen: für die Menschen, die man betreut, für die Firma, zu der man gehört, damit auch für sich selbst. Wo bleibt an der Uni die Verantwortung? Man kann sie, scheints, vermeiden.

Verlangt das nicht nach einer dringenden Änderung?