Beim Lesen und Übersetzen von Cristina Peri Rossi bin ich auf eine interessante Sache gestoßen: das sogenannte "Stendhal-Syndrom". Benannt ist es nach den eindrücklichen Schilderungen des französischen Schriftstellers:
"Ich befand mich in einer Art Ekstase bei dem Gedanken, in Florenz den Gräbern so vieler Großen so nahe zu sein. Ich war in Bewunderung der erhabenen Schönheit versunken; ich sah sie aus nächster Nähe und berührte sie fast. Ich war an dem Punkt der Begeisterung angelangt, wo sich die himmlischen Empfindungen, wie sie die Kunst bietet, mit leidenschaftlichen Gefühlen gatten. Als ich die Kirche verließ, klopfte mir das Herz. Mein Lebensquell war versiegt, und ich fürchtete umzufallen."
(http://www.wissenschaft-online.de/artikel/893963)
Wenn man also angesichts von Kunst oder Ästhetik so überwältigt wird, dass man sich gar nicht mehr lösen kann und vielleicht auch noch körperliche Symptome spürt, dann hat man (nun) auch einen Namen dafür.
Das hat mich irgendwie fasziniert.
Montag, 30. März 2009
Sonntag, 22. März 2009
Presseschau
Publizistische Meisterleistung auf der Titelseite von "Heute" vom 19.3.:
"Wiener erschießt Arbeiter"
Klingt, als könne ein Wiener kein Arbeiter sein und umgekehrt. Oder als sei Arbeiter eine Herkunftsbezeichnung, die einen Menschen definiert. Interessantes Detail: der getötete Arbeiter war tatsächlich kein Wiener. Und die Macher von "Heute" scheinen sich darüber zu wundern, dass auch ein Wiener einen Ausländer erschießen kann und nicht nur umgekehrt - weil sonst sind ja immer die Fremden die Bösen, Gefährlichen.
Aber mal ehrlich: eine Zeitung, die Julia Timoschenko ob ihrer Frisur "Resi" nennt (22.3.) - was kann man von der schon erwarten?
"Wiener erschießt Arbeiter"
Klingt, als könne ein Wiener kein Arbeiter sein und umgekehrt. Oder als sei Arbeiter eine Herkunftsbezeichnung, die einen Menschen definiert. Interessantes Detail: der getötete Arbeiter war tatsächlich kein Wiener. Und die Macher von "Heute" scheinen sich darüber zu wundern, dass auch ein Wiener einen Ausländer erschießen kann und nicht nur umgekehrt - weil sonst sind ja immer die Fremden die Bösen, Gefährlichen.
Aber mal ehrlich: eine Zeitung, die Julia Timoschenko ob ihrer Frisur "Resi" nennt (22.3.) - was kann man von der schon erwarten?
Donnerstag, 19. März 2009
Zitat des Tages
«Pour faire face à de nouveaux publics, nous devons tout d'abord être en mesure de faire face à des sièges vides.»[ Peter Brook ]
Oder, funktional übersetzt: man muss sich über Neues drübertrauen - dazu aber zunächst mal Hürden in Kauf nehmen...
Oder, funktional übersetzt: man muss sich über Neues drübertrauen - dazu aber zunächst mal Hürden in Kauf nehmen...
Samstag, 7. März 2009
Figuren & Co.
"Schlankheitsinstitut Figurella sucht Mitarbeiterinnen zur Unterstützung unseres jungen Teams (Kleidergröße 36/38, gepflegtes Auftreten) ab 18 Jahren."
Natürlich wären dicke Angestellte wenig werbewirksam für ein Schlankheitsstudio.
Schließlich steckt man sich dort ein Ziel und wirbt mit dessen Erreichbarkeit. Dicke Mitarbeiterinnen wären dem sehr abträglich.
Trotzdem oder gerade deshalb zeigt die Annonce wieder einmal wunderschön, wie eine ganze Gesellschaft ein und demselben Ideal hinterherläuft, in das sich nicht jede/r zwängen kann oder soll. Von Austria's Next Topmodel bis Figurella - alles ein einziges Theater.
Irgendwie ist die Welt schon absurd.
Natürlich wären dicke Angestellte wenig werbewirksam für ein Schlankheitsstudio.
Schließlich steckt man sich dort ein Ziel und wirbt mit dessen Erreichbarkeit. Dicke Mitarbeiterinnen wären dem sehr abträglich.
Trotzdem oder gerade deshalb zeigt die Annonce wieder einmal wunderschön, wie eine ganze Gesellschaft ein und demselben Ideal hinterherläuft, in das sich nicht jede/r zwängen kann oder soll. Von Austria's Next Topmodel bis Figurella - alles ein einziges Theater.
Irgendwie ist die Welt schon absurd.
Montag, 16. Februar 2009
Und sie bewegt sich doch!
Dennoch: es hat sich offenbar in letzter Zeit genügend Unzufriedenheit angestaut, um öffentlich und nachdrücklich Unmut zu zeigen - so öffentlich und nachdrücklich, dass ein "von oben" eingesetzter, erzkonservativer und engstirniger Weihbischof in spe beschließt, sein Amt gar nicht erst anzutreten.
Vor ein paar Jahren wäre das vielleicht noch nicht möglich gewesen. Jetzt, einige skandalträchtige Bischöfe, einen konservativen Papst und einige hundert Austritte später, ist die Zeit reif. Jedenfalls unter den Schäflein finden sich genügend Menschen, die ihren Glauben (und seine Institution) einigermaßen mit ihrer Lebenswelt verbunden sehen wollen. Und es als zeitgemäß betrachten würden, wenn Priester heiraten dürften, wenn Priester auch Frauen sein dürften (mit welchem Argument verbietet man es ihnen eigentlich?), die Kirche Homosexualität einfach nur akzeptieren würde (die wenigsten homosexuell Lebenden würden sich nämlich heilen lassen) und das Geschehen nicht mehr ohne Wenn und Aber von Rom aus bestimmt würde. Und es ist nur auf den ersten Blick kurios, dass nicht wenige zur evangelischen Konfession übertreten, weil sie sich als religiös, aber nicht als katholisch sehen und weil sie mit Reaktionen und Dogmen der katholischen Kirche nicht mehr einverstanden sind.
Vielleicht sehen die Obrigkeiten jetzt, dass gehandelt und verändert werden muss. Schließlich kann der liebe Gott (dieses Adjektiv Wagner zum Trotz) einer solchen Verknöcherung seiner Organisation auf Erden doch auch nicht zustimmen können. Das funktioniert so nicht mehr.
In diesem Sinne: Einsicht statt Austritt. Zeitgeist statt Heiliger Geist. Und im Übrigen: jedem das Seine, jeder das Ihre.
Samstag, 14. Februar 2009
Big Valentine is watching you
Rosa. Ich sehe rosa. Und rot. Rote Plastikherzen, rosa Krepppapier-Maschen, gelbe Blumentopfmanschetten. Und ich bin mir nicht sicher, ob die Blumen dazwischen drin echt sind.
Im Supermarkt haben sie ein rollbares Regal voller Valentins-Kitsch-Blumenarrangements genau dorthin gestellt, wo sich die Menschen immer am dichtesten für die Kasse anstellen. Ein Elektronikanbieter macht Werbung mit einem Handy, das es bis zum Valentinstag besonders günstig gibt. (Wer schenkt ein Handy zum Valentinstag?) In der Zeitung, im Fernsehen, im Internet und natürlich in den Schaufenstern diverser Dessous-Geschäfte wird man daran erinnert, dass heute der 14. Februar ist.
Ich weiß. Ich hab ja einen Kalender. Ich hab auch einen lieben Freund. Ich will ihm auch sagen, dass er ein lieber Mensch ist und ich sehr gern schon 6 Jahre mit ihm zusammen bin. Aber dazu bin ich glücklicherweise nicht auf rote Plastikherzen angewiesen, mit denen ich zu einem bestimmten Datum im Jahr die nächstbeste Handelskette unterstütze.
Lieber fabriziere ich ihm - zu unserem Datum - eine (schief geratene) Karte oder unsern guten Schokokuchen, umarme ihn einmal extra und schreibe öffentlich ins Internet:
Ich hab dich lieb, Hannes!
Nur dass ihr es wisst.
Ich schwimm nun mal nicht gern mit dem Strom. Schon gar nicht mit einem roten Kommerz-Herz. Lieber sag ich es so, wie ich es meine.
Im Supermarkt haben sie ein rollbares Regal voller Valentins-Kitsch-Blumenarrangements genau dorthin gestellt, wo sich die Menschen immer am dichtesten für die Kasse anstellen. Ein Elektronikanbieter macht Werbung mit einem Handy, das es bis zum Valentinstag besonders günstig gibt. (Wer schenkt ein Handy zum Valentinstag?) In der Zeitung, im Fernsehen, im Internet und natürlich in den Schaufenstern diverser Dessous-Geschäfte wird man daran erinnert, dass heute der 14. Februar ist.
Ich weiß. Ich hab ja einen Kalender. Ich hab auch einen lieben Freund. Ich will ihm auch sagen, dass er ein lieber Mensch ist und ich sehr gern schon 6 Jahre mit ihm zusammen bin. Aber dazu bin ich glücklicherweise nicht auf rote Plastikherzen angewiesen, mit denen ich zu einem bestimmten Datum im Jahr die nächstbeste Handelskette unterstütze.
Lieber fabriziere ich ihm - zu unserem Datum - eine (schief geratene) Karte oder unsern guten Schokokuchen, umarme ihn einmal extra und schreibe öffentlich ins Internet:
Ich hab dich lieb, Hannes!
Nur dass ihr es wisst.
Ich schwimm nun mal nicht gern mit dem Strom. Schon gar nicht mit einem roten Kommerz-Herz. Lieber sag ich es so, wie ich es meine.
Genug...
... der Pause.
Nach Prüfung, Krankheit und kurzem Heimaturlaub (nein, nicht um die Jörg-Haider-Brücke einzuweihen) habe ich lange genug nicht mehr gebloggt. Wird Zeit, dass sich das ändert.
Zu beobachten in der Welt gäbe es genug. Gedanken im Kopf habe ich genug. Sie müssen nur geordnet herauskommen.
Also: in Zukunft wieder mehr Posts.
Nach Prüfung, Krankheit und kurzem Heimaturlaub (nein, nicht um die Jörg-Haider-Brücke einzuweihen) habe ich lange genug nicht mehr gebloggt. Wird Zeit, dass sich das ändert.
Zu beobachten in der Welt gäbe es genug. Gedanken im Kopf habe ich genug. Sie müssen nur geordnet herauskommen.
Also: in Zukunft wieder mehr Posts.
Sonntag, 18. Januar 2009
Nachtrag zum Totenkult 2
andere sehen das ähnlich wie ich:
"...nicht schlecht...der soll no einmal was von wegen pietätlosigkeit (stermann und grissemann) daherfaseln....pfuipfui"
"SEHR GUT: ABSCHRECKENDES BEISPIEL !
Also ich finde dass, wenn die Witwe aus Pietät nichts dagegen hat, ausgesprochen gut. Wenn den so ein Discobesitzer erwirbt, er damit durch die Discos tingelt und das Wrack als Abschreckung zu besichtigen ist. Dann zeigt sich wieder mal die alte Weisheit: Auch wenn man sonst nicht viel getaugt hat, als abschreckendes Beispiel ist man immer noch gut genug."
"jetzt erkennen...
...wohl auch die blindesten bzö wähler, dass nach ableben ihres hirten der rest der bewegung nur dumm herumirrende schafe sind. laut blöken. mehr ist wohl nicht zu erwarten. ich hoffe nur, dass sie sich nicht alle der herde rechts neben ihnen anschliessen."
kommentare von derstandard.at
(auffällig übrigens: die artikel sind in mehreren medien fast wortident... die übernehmen, wie schon öfter festgestellt, gemütlich die apa-meldungen und machen sogar noch die gleichen tippfehler hinein... publizistische vorbilder, das. sollten wenigstens das rechtschreibprogramm drüberlaufen lassen, wenn sie sich schon keine korrektoren leisten.)
"...nicht schlecht...der soll no einmal was von wegen pietätlosigkeit (stermann und grissemann) daherfaseln....pfuipfui"
"SEHR GUT: ABSCHRECKENDES BEISPIEL !
Also ich finde dass, wenn die Witwe aus Pietät nichts dagegen hat, ausgesprochen gut. Wenn den so ein Discobesitzer erwirbt, er damit durch die Discos tingelt und das Wrack als Abschreckung zu besichtigen ist. Dann zeigt sich wieder mal die alte Weisheit: Auch wenn man sonst nicht viel getaugt hat, als abschreckendes Beispiel ist man immer noch gut genug."
"jetzt erkennen...
...wohl auch die blindesten bzö wähler, dass nach ableben ihres hirten der rest der bewegung nur dumm herumirrende schafe sind. laut blöken. mehr ist wohl nicht zu erwarten. ich hoffe nur, dass sie sich nicht alle der herde rechts neben ihnen anschliessen."
kommentare von derstandard.at
(auffällig übrigens: die artikel sind in mehreren medien fast wortident... die übernehmen, wie schon öfter festgestellt, gemütlich die apa-meldungen und machen sogar noch die gleichen tippfehler hinein... publizistische vorbilder, das. sollten wenigstens das rechtschreibprogramm drüberlaufen lassen, wenn sie sich schon keine korrektoren leisten.)
Nachtrag zum Totenkult
Die nachträgliche solare Verehrung von Jörg Haider reißt nicht ab. Nicht genug damit, dass die Menschen wochenlang am Unfallort trauern, dass ihm Denkmäler errichtet werden und sich die Kärntnerlied-CDs dieses gewordenen Kärntners (ein Immigrant!) wie die warmen Semmeln verkaufen: jetzt soll auch noch das Unfallauto versteigert werden. Das nicht einmal ihm gehörte, sondern einer Leasingfirma. Die jetzt Regress fordert, weil das Auto verunfallt ist. Wegen zu hoher Geschwindigkeit und Alkohols im Blut. Also zu Recht.
Wer ist verrückt genug, das Unfallwrack zu ersteigern? Und vor allem aus welchem Motiv? Vielleicht um jugendlichen Rasern oder Komatrinkern ein Mahnmal zu erstellen? Um ein Götzenbild für den Totenkult im eigenen Garten zu haben? Um künstlerisch zu provozieren? (So mutmaßen manche Medien - wie genau die künstlerische Provokation aussehen soll, ist mir in dem Fall unklar.)
Ich jedenfalls brauche weder Haiders Unfallwrack noch den ehemaligen Flitzer vom Papst. Als alte Umweltschützerin nehm ich weiterhin die stinkende U6.
Wer ist verrückt genug, das Unfallwrack zu ersteigern? Und vor allem aus welchem Motiv? Vielleicht um jugendlichen Rasern oder Komatrinkern ein Mahnmal zu erstellen? Um ein Götzenbild für den Totenkult im eigenen Garten zu haben? Um künstlerisch zu provozieren? (So mutmaßen manche Medien - wie genau die künstlerische Provokation aussehen soll, ist mir in dem Fall unklar.)
Ich jedenfalls brauche weder Haiders Unfallwrack noch den ehemaligen Flitzer vom Papst. Als alte Umweltschützerin nehm ich weiterhin die stinkende U6.
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